Berlinale 2013: In the Name of

Dieser Text stammt von meinem ersten Blog SophiesBerlinale und gehört somit zu meinen ersten wackligen Schritten als Filmjournalistin. Deshalb bitte ich darum, etwaige Mängel zu entschuldigen und wohlwollend darüber zu schmunzeln.

© Salzgeber & Co.

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Homosexualität und Kirche – das ist ein schwieriges Thema. Auch ich bin in meinem eigenen kirchlichen Umfeld diesbezüglich schon auf verschiedene Meinung und sehr wohl an meine Grenzen gestoßen. Ich selbst gehöre nicht zu den Christen, die meinen, Homosexualität sei eine Krankheit, die durch den heiligen Geist geheilt werden könne. Für mich widersprechen sich Christentum und Homosexualität keinesfalls. Aber es geht in In the Name of auch nicht nur um die Liebe zwischen Männern, sondern auch um die umstrittene Beziehung eines Erwachsenen mit einem Schutzbefohlenen.

Der Priester Adam (Andrzej Chyra) wird in die polnische Provinz versetzt, wo er nicht nur den katholischen Gottesdienst gestaltet, sondern auch ein Projekt für straffällig gewordene Jugendliche betreut. Adam ist gut in dem was er macht: Es gelingt ihm, zu den harten Jungs einen Zugang zu finden, indem er sich beim Fußballspiel und Feierabendbier mit ihnen auf eine Ebene begibt. Doch Adam ist einsam. Er sehnt sich nach körperlicher Nähe, die ihm auf Grund des Zölibats untersagt ist. Auf das offensichtliche Angebot der schönen Ewa (Maja Ostaszewska) geht er dennoch nicht ein. „Ich bin schon vergeben“, sagt er ihr. Damit meint er nicht nur seine Verpflichtung gegenüber Gott. Es ist der stille Bauersjunge Humpty (Mateusz Kosciukiewicz), zudem sich Adam seit Längerem hingezogen fühlt und der die Zuneigung des Priesters durchaus erwidert. Kann Adam der Versuchung widerstehen?

Regisseurin Malgoska Szumowska erzählt ihre Geschichte in wundervollen Bildern von großer Symbolkraft. So erinnert das Bild der gemeinsamen Malzeiten des Priesters mit den Jugendlichen an das letzte Abendmahl, wobei der Lehrer Michael (Lukasz Simlat) sowohl die Rolle seines engsten Vertrauten (Simon Petrus) als auch die des Verräters (Judas) einnimmt. Es gibt jedoch auch weltliche Bildinszenierungen mit einer nicht minder einnehmenden Wirkung, in der die an den amerikanischen Western erinnernde Natur eine dominante Rolle spielt. Die Aufnahme Adams in seinem blau bezogenen und zerwühlten Bett ließ mich zudem an den Film Shame denken, zu dem ja durchaus eine thematische Verbindung besteht.

Das irritierende an der berührenden Liebesgeschichte zwischen Adam und Lukas ist, dass sie zu keinem Zeitpunkt übergriffig wirkt. Obwohl Lukas im selben Alter ist wie die Jungen, die Adam in seinem Projekt betreut, begegnen sich die Männer auf einer gleichberechtigen Ebene. Es geht Malgoska Szumowska meines Erachtens nicht um das Thema Pädophilie, sondern um das Spannungsfeld Homosexualität und Kirche, auch wenn sich hier natürlich die Frage stellt, warum sie Humpty nicht einer anderen Altersklasse zuordnet. Adam selbst spricht es an einer Stelle auch explizit aus, als er – dem Alkohol verfallen – ausgerechnet seiner Schwester eine Beichte ablegt: „Ich bin kein Pädophiler. Ich bin homosexuell.“

Auch wenn die letzten zwanzig Minuten zu melancholisch geraten sind und die bis dato lineare Erzählung ein wenig zu straucheln beginnt, kann In the Name of durchgehend fesseln. Malgoska Szumowska gelingt es, die komplexen Emotionen ihrer Hauptfigur zu vermitteln. Der Zuschauer kann mitfühlen. Und sie findet für Adams Dilemma eine Lösung, die mir persönlich besonders gut gefallen hat. Was soll ich sagen: In the Name of  hat mich berührt und filmisch ebenso wie inhaltlich überzeugt. Wenn die Berlinale so weitergeht, wird das ein tolles Festival.